Manifest

Weltweit hat Bildende Kunst einen großen kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Mehrwert für eine Stadt. Kunst als Ausdruck schöpferischer Freiheit des Menschen und der Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Heimat, ihrer Region und ihrem Land hat in der globalisierten Welt eine Bedeutung wie nie zuvor.

Kunst ist Inbegriff menschlicher Lebensäußerung, sie ist als anregende und reflektierende Kraft für Staat und Gesellschaft unverzichtbar. Darüber hinaus sind Kunst und Kultur Standortfaktoren, die eine Stadt

unverwechselbar machen und ihr Anziehungskraft geben.

 

Viele Menschen kommen nach Düsseldorf, um Ausstellungen zu besuchen (z.B. Akademie Rundgang, Museen, Galerien, Düsseldorf Photo, Kunstmessen, Kunstpunkte etc.) Das Gemeinwesen hat die Aufgabe, Kunst zu fördern, Prägendes und Bleibendes zu sammeln und zu dokumentieren.

Der Kunstmarkt hat sich in den letzten Jahren extrem verändert. Für KünstlerInnen außerhalb des Marktes ist das Überleben schwierig.

Bildende KünstlerInnen sind meist höchstqualifiziert, ihre Einkommenssituation ist jedoch regelmäßig schlecht. Es liegt im Interesse der Stadt, dafür Sorge zu tragen, diese hochqualifizierten Menschen in ihrem Beruf arbeiten zu lassen und ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage, wo möglich, rechtzeitig zu stärken.

KünstlerInnen gehören trotz ihres hohen Bildungsniveaus und Ansehens in der Gesellschaft mit zu den Berufsgruppen mit den niedrigsten Einkommen.

Seit 1983 können sich freiberufliche KünstlerInnen und Kreative in Deutschland erstmalig kollektiv versichern und genießen die Vorzüge einer günstigen Kranken- und Rentenversicherung. Die Beiträge zur

Künstlersozialkasse sind an die Einnahmen der Versicherten gekoppelt.

Da KünstlerInnen und Kreative jedoch nur geringe Einkommen erzielen, resultieren daraus im Rentenalter nur geringe Alterseinkünfte. Oft befindet sich diese Berufsgruppe dann in einer prekären Lebenslage. Viele Künstler arbeiten, ohne davon leben zu können. Statt sich zu verbessern, verschlechtern sich ihre Arbeitsbedingungen. Die Armut zehrt an den Menschen. In der Künstlersozialkasse können sich KünstlerInnen zwar günstig

krankenversichern, jedoch bleibt bei der Rente zu oft zu wenig übrig. Die Alterseinkünfte betragen durchschnittlich nur die Hälfte von dem, was andere Arbeitnehmer erhalten.

 

Wir fordern:

1. Bezahlbare und altersgerechte Wohnateliers / Ateliers.

Die meisten KünstlerInnen sind wegen ihres beruflichen Selbstverständnisses weit über das Rentenalter hinaus künstlerisch aktiv. Deshalb haben sie andere Ansprüche und Bedarfe an ihre Wohn- und Arbeitssituation als andere Berufsgruppen. Angemessener Wohnraum für Hilfebedürftige liegt in der Regel vor, wenn die Wohnung nicht größer als 45 – 50 Quadratmeter für einen Single ist. Für KünstlerInnen soll ein zusätzliches Arbeitsatelier bewilligt werden.

2. Projektunabhängige Stipendien für KünstlerInnen mit einer Laufzeit von einem Jahr bis zu zehn Jahren.

Seit mehr als fünfzig Jahren vergibt das in Norwegen für staatliche Kunstförderung im Wesentlichen zuständige Arts Council solche Stipendien. Bedingung für eine Bewerbung ist, dass man in Norwegen leben muss und seine Arbeit bereits öffentlich gezeigt hat. 34 Millionen Euro werden dafür im Jahr ausgegeben: 34 Millionen Euro Vertrauen in die KünstlerInnen.

3. Die Aufnahme von KünstlerInnen und FreiberuflerInnen in das Allgemeine Gleichstellungsgesetz kurz AGG.

Das Gesetz, das u.a. vor Altersdiskriminierung schützen soll, schließt FreiberuflerInnen und KünstlerInnen aus. Es schützt auch nicht vor Benachteiligungen wegen des Lebensalters bei KFZ-, Auslandsreise-, oder Unfallversicherungen. Hier muss Öffentlichkeit hergestellt werden.

4. Bei allen Planungen der Baugenossenschaften müssen Wohnateliers / Ateliers für KünstlerInnen bedacht und realisiert werden.

In der Bundesrepublik gibt es laut der Angaben der Marketinginitiative der Wohnungsbaugenossenschaften

Deutschland e.V. 2.000 Wohnungsbaugenossenschaften mit einem Wohnungsbestand von 2.2 Millionen Wohnungen. Allein in Düsseldorf und Umgebung sind es 11 Genossenschaften. Steter Tropfen höhlt den Stein!

https://www.wohnungsbaugenossenschaften.de/genossenschaften/alle-genossenschaften/

5. Stadt/Land/Bund sollen (noch zu gründenden) Künstlerwohngenossenschaften das Erstandienungsrecht bei Grundstücken zum Bau von Wohnateliers anbieten.

Mit Hilfe von Mäzenen, gut verdienenden KünstlerInnen und Freunden der Kunst wird es möglich sein, genügend Geld für eine Bebauung in Form von Genossenschaftsanteilen zu sammeln. Der Verein der Düsseldorfer Künstler zur gegenseitigen Unterstützung und Hilfe 1844 soll eine Künstlerwohnungsgenossenschaft initiieren.

Erstandienungsrecht bedeutet: Der Genossenschaft wird bis zu einem festgelegten Zeitpunkt das Erstkaufrecht für ein Grundstück eingeräumt. Hat sie bis zu diesem Zeitpunkt das Geld zum Kauf des Grundstücks nicht zusammen, geht das Grundstück auf den freien Markt.

Erstandienungsrecht siehe:

http://www.siedlerkoeln.de/news/2017/erweiterungaktuell/ erstandienungsrecht

6. Wohnateliers für KünstlerInnen bei der genossenschaftlichen

Bebauung des Schlösser Areals

Die Ausschreibung des Wettbewerbs berücksichtigt bisher nur den: „Attraktiven Wohnungsmix für junge Familien, Alleinerziehende, Single und Paare sowie Senioren“. Es fehlen KünstlerInnen.

„Die Grundprinzipien einer Genossenschaft sind Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung. Die Genossenschaft ist eine demokratische Unternehmensform. Der Zweck der Genossenschaft ist vorrangig die Förderung der Mitglieder, indem eine gute, sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung 

gewährleistet wird.“

Schlösser Areal siehe:

https://www.duesseldorf.de/fileadmin/Amt13/presseanhang/170228schloesserareal.pdf

https://www.duesseldorf.de/fileadmin/Amt13/pld/txt/20170228-255_45.txt

Wir als Künstler*innen wollen Vorreiter bei der kreativen Bewältigung von Altersarmut sein!

 

© 2018 by Corina Gertz